Am 19. Januar 1919 war es soweit: Frauen durften in Deutschland zum ersten Mal wählen und sich wählen lassen. Auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts hat die Debatte um Gleichberechtigung nichts an ihrer Brisanz eingebüßt. „Heute streiten wir für die gleiche Teilhabe von Frauen in der Politik und Wirtschaft, um gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um die Aufwertung der sozialen Berufe und um den Schutz vor Gewalt“, bringt Dr. Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin und Schirmherrin der Ausstellung, die anhaltende Relevanz des Themas auf den Punkt.

Unsere Szenografie für die erste Sonderausstellung im neu eröffneten Bau des Historischen Museums Frankfurt gibt den Kämpferinnen des Frauenwahlrechts und ihren fortschrittlichen Ideen eine aktuelle Präsenz. Auf der neuen rund 900 Quadratmetern großen Ausstellungsfläche präsentiert der Besucherweg die Protagonistinnen der Frauenbewegung – und mit ihnen eines der wichtigsten Kapitel der deutschen Demokratiegeschichte. Statt historischer Patina vermittelt eine zeitgenössische, lebendige Grafikgestaltung indes die Aktualität des Kampfes um Selbstbestimmung – der, wie nicht nur #metoo zeigt, noch lange nicht gewonnen ist.

Die Ausstellung ist in fünf miteinander verbundene Galerien aufgeteilt, die die verschiedenen Phasen inszenatorisch zuspitzen. Die Farbgebung kennzeichnet die Themenbereiche, die als chronologische Kapitel den steinigen Weg zur Gleichberechtigung szenografisch für Besucherinnen und Besucher nachempfindbar machen. Um die unterschiedlichen, teils kontroversen Vorstellungen innerhalb der Frauenbewegung zu verdeutlichen, werden die einzelnen Galerien von jeweils drei illustrierten Aktivistinnen und ihren Positionen eingeleitet.

In der Szenografie öffnen sich darüber hinaus immer wieder Faktenfelder und Frankfurt-Fenster: Erstere lenken mit geschickter Datenpräsentation den Blick auf die Jetztzeit, letztere zeichnen die Stadt als Schauplatz des Geschlechterkampfes nach. Die letzte der fünf Galerien befindet sich an einer Gabelung: Ein Weg führt in eine enge Sackgasse, die die Repressionen während der NS-Zeit erahnen lässt. Der andere Weg führt zu interaktiven Stationen, die Besucherinnen und Besucher zum Mitmachen und Reflektieren einladen.

Auftraggeber: Historisches Museum Frankfurt am Main

Ausstellungsgestaltung, Grafik und Mediendesign: Atelier Markgraph – Kommunikation im Raum

Ausstellungsbau: Messegrafik & Messebau Schreiber

Licht und Medientechnik: Stephan Zimmermann Lightsolutions

Grafikproduktion: TYPES ON FOIL

Dokumentationsfotos: Kristof Lemp